Zvizdal [Chernobyl – So far so close]

Von Berlin

IN UKRAINISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN ÜBERTITELN

1986. Ein Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl explodiert. Etwa 90 Städte und Dörfer in der Umgebung werden evakuiert. Doch zwei Menschen beschliessen zu bleiben: Pétro und Nadia sind im kleinen Dorf Zvizdal geboren und aufgewachsen – und sie haben das Altern dort begonnen. Das sechzigjährige Ehepaar entscheidet sich für Kontinuität und damit ein Leben ohne Nachbarn, Supermärkte, Kino, Strom, fliessendes Wasser und ihre Tochter. Denn die zieht das Leben in der Stadt der Selbstversorgung in der Einöde vor.

Ausgehend von der Idee der Journalistin und Dramaturgin Cathy Blisson, begleiten sie und die belgischen Multimedia-Künstler Bart Baele und Yves Degryse alias BERLIN das Paar von 2011 bis 2016. Sie portraitieren den Alltag der Einsiedler, ihre politischen Haltungen, Lebensweisheiten, seltene Besuche und die tägliche Zeit am Radio, den Umgang mit der Einsamkeit und die Herausforderungen einer grossen Liebe und einem unabhängigen Leben im fortschreitenden Alter. Gemeinsam erleben wir den Fortgang der Jahreszeiten, und den von Krisen und Freuden. Auch wenn der Abend irgendwann endet – bis heute sind die Künstler/innen mit Nadia verbunden und geben uns Nachricht von ihr.

Seit 2003 bereits arbeiten BERLIN an einer ganz eigenen Theaterform. Videofilme und -clips erscheinen bei ihnen wie Performer/innen, die in eigenwilligen Bühnenbildern spielen. „Zvizdal” erscheint den Zuschauer/innen von zwei Seiten. Am Fuße der Leinwände erblicken wir ein maßstabsgetreues Modell des Lebensraums von Nadia und Pétro, das immer wieder live in den Film eingebracht wird – sowie die Musik.

Wie lebt man in einer Gegend, die komplett von der Weltwirtschaft abgeschnitten ist, ja beinah von der Landkarte gelöscht? Und wie kann das Theater Menschen beim Leben porträtieren, ohne sie zu kapitalisieren? „Zvizdal” ist ein vielschichtiger, sensibler und respektvoller Abend. In seiner Nahbarkeit schafft er eine Begegnung zwischen Menschen, und stellt dabei Fragen nach dem Preis, den eine urbanisierte und globalisierte Weltgesellschaft für ihren Komfort zahlt. Die fallengelassenen Realitäten, häufig im ländlichen Raum angesiedelt, bleiben in unseren Geschichten meist unsichtbar. Die Starrköpfigkeit von Pétro und Nadia, sich ins urbane Leben eingliedern zu lassen, ermöglicht uns einen Ausflug zur Kehrseite der privilegierten Leben, die vielfach unsere eigenen sind. Und stellt damit auch etablierte Ideen von Armut und Reichtum auf den Kopf.

Konzept BERLIN (Bart Baele & Yves Degryse), Cathy Blisson Mit Nadia, Pétro Opanassovitch Lubenoc Photographie, Schnitt Bart Baele, Geert De Vleesschauwer Interviews Cathy Blisson, Yves Degryse Soundtrack, Mischung Peter Van Laerhoven Tonaufnahmen Toon Meuris,Bas de Caluwé, Manu Siebens, Karel Verstreken Dolmetscherin Olga Mitronina Bühne Manu Siebens, Ina Peeters, BERLIN Produktion, Kommunikation Laura Fierens Produktion BERLIN Koproduktion Het Zuidelijk Toneel (Tilburg, NL), PACT Zollverein (Essen, DE), Dublin Theatre Festival (IE) , CENTQUATRE (Paris, FR), Kunstenfestivaldesarts (Brussel, BE), Brighton Festival (UK), BIT Teatergarasjen (Bergen, NO), Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main (DE), Theaterfestival Boulevard (Den Bosch, NL), Onassis Cultural Centre (Athens, GR). In Zusammenarbeit mit deSingel (Antwerpen, BE) Mit Unterstützung der Flämischen Regierung