Paradise Now (1968–2018)

Von fABULEUS / Michiel Vandevelde

IN ENGLISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN UND ENGLISCHEN ÜBERTITELN

Genau 50 Jahre ist die 68er Revolution nun her. Auch den in Brüssel ansässigen Choreografen Michiel Vandevelde beschäftigt die Frage, was von der damaligen Aufbruchsstimmung übrig geblieben ist, welche Erfolge gefeiert werden können, wo ein Scheitern einzugestehen ist. Gemeinsam mit 13 Jugendlichen der bekannten belgischen Theatergruppe fABULEUS nimmt er „Paradise Now“ des Living Theatre zum Ausgangspunkt seiner Suche. Beim Living Theatre handelt es sich um ein von Judith Malina – Tochter deutsch-jüdischer Emigranten – und ihrem Lebensgefährten Julian Beck in New York gegründetes anarcho-pazifistisches Kollektiv. „Paradise Now“, 1968 in Avignon uraufgeführt, steht wohl  wie keine andere Performance für den Geist von 68 und für den Glauben, mit Kunst als „trojanischem Pferd“ die Gesellschaft erobern zu können. Geradezu folgerichtig löste sich die Gruppe nach dieser Produktion wegen unterschiedlicher Politikvorstellungen und Lebensentwürfe auf.

„Paradise Now (1968-2018)“ besteht aus drei Teilen. Am Anfang stellen die Performer*innen ikonische Bilder der letzten 50 Jahre nach – Bilder, die beständig in unserem Unterbewusstsein zirkulieren ohne dass wir ihre genaue Bedeutung oder Kontext wissen würden. Der Mittelteil widmet sich in einem an Woodstock erinnernden Szenario 1968. Zum Schluss wird das Publikum auf die Bühne gebeten, um sich dort im Kreis auf dem Boden sitzend die Gedanken der jungen Darsteller zur Möglichkeit politischen Handelns heute anzuhören.

Michiel Vandevelde folgt dabei der Überzeugung, dass die Kämpfe und politischen Positionen von 1968 bis heute unverändert gültig sind, nur die Hoffnung verschwunden ist – unsere Fähigkeit, Zukunft zu denken, unsere „futurability“ (Franco ‚Bifo‘ Berardi). So zielt der Abend – laut Untertitel „An Appointment with Time“ – auf eine Bestandsaufnahme der Gegenwart.

Die Jury war beeindruckt von der Ehrlichkeit, fern jeglicher Stereotype und Floskeln, mit der die Jugendlichen ihre Lebenssituation beschreiben, ihrer Verzweiflung, aber auch Hoffnung Ausdruck geben. Als sehr grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob oder inwieweit politisches Handeln – und damit politisches Theater – heute (noch) möglich ist, steht „Paradise Now (1968-2018)“ deswegen am Beginn des Festivals.

Mit Zulaa Antheunis, Sarah Bekambo, Jarko Bosmans, Bavo Buys, Wara Chavarria, Judith Engelen, Abigail Gypens, Lore Mertens, Anton Rys, Margot Timmermans, Bo Van Meervenne, Esra Verboven, Aron Wouters Choreografie Michiel Vandevelde Kostüm Lila & John Choreografieassistenz Zoë Demoustier Dramaturgie Kristof van Baarle Technische Unterstützung Bregt Janssens Produktionsleitung Kathleen Vogelaers Koproduktion fABULEUS, STUK