Bildende Kunst / Ausstellungen

Perspektiven auf den NSU-Komplex

02. – 11. NOVEMBER, 10 – 20 UHR,
01. UND 08. NOVEMBER, 10 – 22 UHR
HAUS DER KUNST, PRINZREGENTENSTR. 1

Ergänzend zur Lesung des sechsten NSU-Protokolls präsentiert Politik im Freien Theater in Kooperation mit dem Haus der Kunst zwei dokumentarische Arbeiten, die sich mit dem NSU-Komplex auseinandersetzen.

Gespräche / Assemblage – Den NSU-Komplex Kontextualisieren
Die von „spot the silence“ konzipierte Medieninstallation vermittelt Hintergründe der rassistischen Mordserie. In neun Videos richtet sie den Fokus auf diejenigen, deren Wahrnehmung und Expertise in der öffentlichen Darstellung nur selten Platz findet: Betroffene, Aktivist/innen, Wissenschaftler/innen und Künstlerinnen äußern sich in Wort und Bild zu den NSU-Morden, weiteren rassistisch motivierten Gewalttaten sowie Formen des institutionellen Rassismus

77sqm_9:26min
Das Video der Londoner Gruppe Forensic Architecture war eines der größten Projekte der documenta 14. Elf Jahre nach dem NSU-Mord an Halit Yosgat beschäftigten sich Künstler/innen, Architekt/innen, Filmemacher/innen, Kulissenbauer/innen und Performer/innen noch einmal mit dem Fall und versuchten zu ermitteln, ob Andreas Temme, ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, entgegen seiner Aussagen nicht doch Zeuge des Verbrechens war. Dafür haben sie den Tatort anhand geleakter Akten und einem Polizeivideo minutiös rekonstruiert. Im Sinne von Joseph Beuys’ Begriff der „Sozialen Plastik“ zielt der Film auf eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft. Die Richter/innen im Münchner NSU-Prozess haben sich den von Forensic Architecture gezogenen Schlussfolgerungen nicht angeschlossen.

In Kooperation mit Haus der Kunst, München

Der Eintritt ist frei.


Tags Rassismus Diskriminierung NSU

Making the Black Box speak

02. – 04. November, Muffatwerk
In englischer und deutscher Sprache

Im Zentrum der mehrtägigen Kunstaktion steht die Interaktion von Performing Arts, Medienkunst und politischem Happening. Ein Netzwerk von internatio­nalen Künstler/innen, Wissenschaftler/innen und Aktivist/innen untersucht, welche enormen Spaltungskräfte aktuell auf die Gesellschaft einwirken und wie es um den Kern von gesellschaftlichem Konsens bestellt ist. Hinterfragt wird, welche neuen Synergien es braucht, um die Gesellschaft friedensfähig zu erhalten und eine Spaltung zu verhindern. Die Karten des Vermögens werden heute neu gemischt. Besitz und Verwertung von Daten begründen neue Vermögen, Algorithmen und Automatisierung dringen tief in gesellschaftliche Prozesse ein. In dieser neuen Form des Informationskapitalismus hat kritisches Denken kaum noch Platz. Spannend wird sein, welche Form von Widerstand die Stimmen der Black Box gegen diesen Technokapitalismus artikulieren. Neue Lebens- und Überlebensstrategien werden erkundet. Besucher/innen können partizipativ an den Prozessen teilnehmen.

At the centre of this art action lasting several days is the interaction of performing arts, media art and political happening. A network of international artists, scientists and activists investigate the enormous forces of division currently affecting society and the core of social consensus. The question posed is what new synergies are needed to keep society in peaceful conditions and prevent a division. The cards of the fortune are being reshuffled today- possession and exploitation of data create new assets, algorithms and automation penetrating deeply into social processes. In this new form of information capitalism there is hardly any room for critical thinking. It will be exciting to discover what form of resistance the voices of the black box articulate against this technocapitalism. New life and survival strategies are explored while visitors can take part in the processes.

Teilnehmende Künstler/innen und Aktivist/innen Ubermorgen.com, Shell Punks, Peng! Collective, Tactical Technology Collective, Ibaaku, Chico MacMurtrie, Michael Saup und viele andere
KURATIERT VON/ Curated BY Gerald Nestler, Sylvia Eckermann, Dietmar Lupfer
Eine Produktion von/ A Production by Art in Move
in Kooperation mit/ In cooperation with dem Muffatwerk
Gefördert von/ funded by der Bundeszentrale für politische Bildung
WEITERE INFOS www.muffatwerk.de/blackbox

Johnny Miller: Unequal Scenes

02. NOVEMBER, 19 UHR,
VERNISSAGE IN ANWESENHEIT DES KÜNSTLERS
03., 04. und 09., 10. November, jeweils 15 – 20 Uhr,
KÖŞK, SCHRENKSTR. 8
In englischer Sprache

Die Aufnahmen seines Fotoprojekts „Unequal Scenes“ sind eindrucksvoll und hinreißend ästhetisch – und sie stimmen nachdenklich. Johnny Miller, US-Fotograf mit Sitz in Kapstadt, zeigt Bilder zum Thema Ungleichheit. Seine spektakulären Drohnenaufnahmen werfen Blicke von oben auf eine ungleiche Welt – ob in Mexiko-Stadt, Kapstadt in Südafrika oder Mumbai in Indien.
Vor dem Hintergrund der Apartheitserfahrungen in Südafrika zeigt Miller in seinen Bildern Diskrepanzen zwischen Lebenswelten. Diskrepanzen, die am Boden in dieser Form nicht sichtbar sind. Aus mehreren Metern Höhe erhalten Beobachterinnen und Beobachter eine neue Perspektive auf die Wirklichkeit der Dinge: Unglaubliche Szenen der Ungleichheit.
Die Trennung mancher Communities ist zum Teil bewusst seit vielen Jahren und Jahrzehnten geplant worden. An anderen Stellen ist sie mehr oder weniger organisch gewachsen. Die erschreckende Erkenntnis: Extreme – zwischen Wohlstand und Privilegien auf der einen Seite und bitterer Armut auf der Anderen – ko-existieren räumlich oft nur wenige Meter getrennt voneinander.
Was treibt Miller in seinem Drohnen-Fotoprojekt an? Er möchte Ungleichheiten mit seinen Bildern möglichst objektiv darstellen. Er bietet neue Perspektive auf alte Probleme an. Und: Er möchte zu Dialog anregen, um sich über Ungleichheit und Entrechtung konstruktiv und friedlich auseinanderzusetzen.

The photographs of his photo project „Unequal Scenes“ are impressive and enchantingly aesthetic, and above all thought-provoking. Johnny Miller, US photographer based in Cape Town, shows pictures on the subject of inequality. His spectacular drone shots cast glances from above onto an unequal world – whether in Mexico City, Cape Town in South Africa, or Mumbai in India.
Against the background of his experiences of apartheid in South Africa, Miller’s pictures show discrepancies between worlds. Discrepancies that are, as such, not visible on the ground. From a height of several meters, these shots allow observers a completely new perspective on the reality of things: a reality of unbelievable scenes of inequality.
The separation of some communities has in part been deliberately planned for many years and decades. In other places it has grown more or less organically. The frightening realization is: extremes – between prosperity and privileges on the one hand and bitter poverty on the other – often coexist spatially only a few meters apart.
So, what drives Miller in his drone photo project? Notably, he wants to display inequalities with his pictures as objectively as possible, with which a new perspective on old problems is offered. And: he wants to encourage dialogue in order to deal constructively and peacefully with inequality and the deprivation of rights.

In Kooperation mit/ in cooperation with dem Kreisjugendring München-Stadt und der Deutschen Welle, die „Unequal Scenes“ anlässlich des Global Media Forums 2018 in Bonn einem internationalen Publikum präsentiert hat.
Weitere Infoshttps://www.dw.com/de/themen/s-9077; https://www.kjr-m.de/; http://www.koesk-muenchen.de/


Tags Armut Prekariat, Besitz Reichtum Privilegien, Gender Diversity Transkultur, Postkolonialismus Transnationale Verflechtungen, Wirtschaft Finanzmärkte Kapitalismus

Forensic Architecture – Ein Vortrag von Eyal Weizman

10. November, 19 Uhr
Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1
In englischer Sprache

Eyal Weizman stellt in seinem Vortrag die Arbeiten seines interdisziplinären Teams von Forensic Architecture bestehend aus Architekten, Filmemachern, Wissenschaftlern, Journalisten und Anwälten vor. Die Forschungsgruppe entwickelt innovative Visualisierungstechniken, um politische Konflikte zu analysieren und auf sie zu reagieren. Die aufklärerische Stoßrichtung ihrer visuellen Arbeiten lässt sich mit der Arbeit von investigativem Journalismus vergleichen.
Ein Schwerpunkt seines Vortrags wird die Videoinstallation „77sqm_9:26min“ sein, die im Rahmen des 10. Festivals Politik im Freien Theater vom 1.-11.11. im Haus der Kunst zu sehen ist. Sie war eines der einflussreichsten Projekte der documenta 14 und wurde für den diesjährigen Turner Prize nominiert. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem NSU-Mord an Halit Yozgat und versucht zu ermitteln, ob Andreas Temme, ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, entgegen seiner Aussagen nicht doch Zeuge des Verbrechens war. Dafür haben sie den Tatort anhand geleakter Akten und eines Polizeivideos minutiös rekonstruiert.

Weitere Infos 
www.hausderkunst.de/ausstellungen/nsu-kontextualisieren
Tickets 5€
In Kooperation mit Haus der Kunst, München


Tags Rassismus Diskriminierung NSU