Cuckoo

VON JAHA KOO

IN KOREANISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN UND ENGLISCHEN ÜBERTITELN / IN KOREAN WITH GERMAN AND ENGLISH SURTITLES

PUBLIKUMSGESPRÄCH am Montag, 05. November, 20.15 Uhr mit Jaha Koo und Jürgen Turek (Politikberater und Zukunftsforscher) Moderation Sophie Diesselhorst (nachtkritik). Kuratiert von der dramaturgischen gesellschaft.

Der aus Seoul stammende Künstler Jaha Koo beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die Südkorea Ende der 1990er Jahre erschütterte und die er als Jugendlicher hautnah miterlebte. Die Finanzpolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF), die in der Folge einsetzte, knüpfte die Gewährung milliardenschwerer Hilfskredite an die Umsetzung von Strukturmaßnahmen zur Liberalisierung der nationalen Ökonomie. Diese Forderung trieb zahlreiche Betriebe in den Bankrott. Sie hatte Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung, wachsende soziale Ungleichheit und sozialen Abstieg zur Folge.

In seiner Performance verknüpft Jaha Koo gekonnt die politischen Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen und verfolgt die zerstörerische Logik des neoliberalen kapitalistischen Systems bis in seinen eigenen Freundeskreis hinein. Kurz bevor sich der Künstler entschied, nach Europa auszuwandern, nahm sich sein bester Freund das Leben. Dieser Suizid war kein Einzelfall, sondern charakteristisch für die Not einer ganzen Jugendgeneration, die dem Druck, unter dem sie leben muss, nicht standzuhalten vermag. Auf die extremen Leistungsanforderungen reagieren viele junge Menschen mit Existenzängsten, sozialer Isolation und Auswanderungswünschen. Bis heute hat Südkorea die höchste Selbstmordrate weltweit.

Mithilfe einer gelungenen Kombination aus dokumentarischen Videoeinblendungen, Text und Musik gelingt Jaha Koo eine anrührende, teils bittere, teils durchaus humorvolle Auseinandersetzung einer Gesellschaft, die verbissen daran arbeitet, auch nach der Katastrophe ihren Stellenwert innerhalb der globalen Ökonomie zu behaupten. Die Bühne teilt sich der Künstler dabei mit drei Reiskochern der Marke Cuckoo, einem Symbol des südkoreanischen Wiederaufstiegs.

In einer hochtechnologisierten Welt, in der viele Menschen in Einsamkeit leben, erweisen sich die hochmodernen Druckkochtöpfe nicht nur als passende Metapher für die koreanische Gesellschaft, sondern oft auch als einziger verfügbarer Gesprächspartner. Jaha Koo hat sie hacken lassen und lässt sie streiten, singen und über Emoticons miteinander kommunizieren. Eine düstere, melancholisch stimmende Bestandsaufnahme, die aber zugleich aufklärerische Ziele verfolgt. Dieser Abend hallt lange nach.

 

Jaha Koo, an artist originally from Seoul, deals with the consequences of the financial and economic crisis that shook Seoul by the end of the 1990s, which he himself experienced up close as a teenager. The subsequent financial policy by the International Monetary Fund (IMF) was the granting of aid loans worth billions under the conditions of implementing structural measures to liberalise the national economy. This demand drove many companies into bankruptcy and resulted in mass redundancies, unemployment, high debt, growing social inequality and social decline.

In his performance, Jaha Koo skillfully combines political events with personal experiences and follows the destructive logic of the neoliberal capitalist system by taking his very own circle of friends as an example. Shortly before the artist decided to immigrate to Europe, his best friend committed suicide. In fact, this suicide was not an individual case, but represented the plight of an entire generation of young people who would not be able to endure the pressure under which they had to live. Even today, many young people react to the extreme performance requirements with existential fears, social isolation and the desire to emigrate – as such, South Korea has the highest suicide rate in the world.

With the help of a successful combination of documentary video insertions, text and music, Jaha Koo illustrates a touching, sometimes bitter and sometimes quite humorous analysis of a society that fiercely works to assert its position within the global economy even after the catastrophe. The artist shares the stage with three “Cuckoo” rice cookers, a symbol of South Korea’s revival.

In a highly technological world in which many people live in solitude, the highly modern pressure cookers not only prove to be a suitable metaphor for the Korean society, but often also turn out to be the only available conversational partners. Jaha Koo lets them to be hacked, to engage in a dispute, to sing and to communicate via emoticons. A gloomy, melancholic inventory that at the same time pursues enlightening goals that echoes even after the play.

 

Performance Hana, Duri, Seri & Jaha Koo

Konzept, Regie, Text, Musik und Video / Concept, director, text, music and video Jaha Koo Cuckoo Hacking Idella Craddock Bühnenbild, Medien / Stage design, media operation Eunkyung Jeong Dramaturgische Beratung / Consultant dramaturge Dries Douibi Produktion / Production Kunstenwerkplaats Pianofabriek Produktionsleitung CAMPO In Koproduktion mit / Co-production Festival Bâtard Mit Unterstützung von / support CAMPO, STUK, BUDA, DAS, SFAC & Noorderzon / Grand Theatre Groningen Gefördert von / Funded by Vlaamse Gemeenschapscommissie

 

 

Tags Armut Prekariat, Besitz Reichtum Privilegien, Wirtschaft Finanzmärkte Kapitalismus