Mare Nostrum

VON LAURA URIBE

IN SPANISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN ÜBERTITELN / IN SPANISH WITH GERMAN SURTITLES

 

Publikumsgespräch am Sonntag., 04. November 2018, 17 Uhr mit Laura Uribe und Dr. Stephan Dünnwald (Bayerischer Flüchtlingsrat), Moderation Sophie Diesselhorst (nachtkritik). Kuratiert von der dramaturgischen Gesellschaft.

In Kolumbien schlägt der nach wie vor nicht ganz befriedete Bürgerkrieg zwischen der Regierung und den paramilitärischen Verbänden der FARC-EP die Menschen in die Flucht nach Mexiko – und sehr häufig von dort aus weiter in die USA. In ihrer Inszenierung beschäftigt sich die Schauspielerin und Regisseurin Laura Uribe mit der Situation nicht nur dieser Migrant/innen und Vertriebenen.

„Mare Nostrum“ ist bildgewaltiges zeitgenössisches Dokumentartheater, in dem Multimedia, Performance und Installation eine spannungsreiche Beziehung eingehen. Persönliche Erlebnisse, Statistiken und Reflexionen formieren sich zu einem multiperspektivisch erzählten Theateressay. Es werden Parallelen gezogen zu den Tragödien auf dem Mittelmeer und in Syrien.

„Mare Nostrum“ spannt einen großen dramaturgischen Bogen, der von abrupten Brüchen gekennzeichnet ist. Das Publikum taucht ein, in einen Strom provokanter und eklektischer Bilder, in einen Sprachfluss, der gleichermaßen poetisch und aggressiv daherkommt. Selbst in Momenten größter Verzweiflung bleiben Anflüge von Humor spürbar. Von einer Holzhütte, in der eine Sängerin eine Ballade summt, werden die Zuschauer mitten in den Dschungel versetzt, in dem eine Frau erzählt, wie ihre Mutter bei einem Massaker durchlöchert wurde. Die Vorstellung, dass sich Fische in Menschen verwandeln können, ruft halluzinatorische Traumbilder hervor.

Die mexikanisch-kolumbianische Produktion prangert die Ungerechtigkeit und die Inhumanität eines Kapitalismus an, der systematisch die Entwurzelung und das spurlose Verschwinden abertausender Menschen produziert. In einem mächtigen Endbild treiben drei Körper, umgeben von Kleidung, die längst ihre Besitzer verloren hat, durch die Fluten in das Vergessen und in eine unendliche Einsamkeit hinein.

In „Mare Nostrum“ geht es um Vertreibung und Flucht aus lateinamerikanischer Perspektive. Laura Uribe analysiert diese Phänomene als Effekte einer Ökonomie der Ungleichheit. Es ist bezeichnend für die Aufmerksamkeitspolitik in Europa, dass die grauenhafte Situation in einem Land wie Kolumbien in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielt.

 

In Colombia, the still simmering civil war between the government and the paramilitary units of the FARC-EP causes people to flee to Mexico – and very often from there to the United States. In her production, the actress and director Laura Uribe deals with the situation not only of these migrants and displaced persons.

Mare Nostrum” is a visually stunning contemporary documentary theatre piece in which multimedia, performance and installation are spectacularly combined. Personal experiences, statistics and reflections form a theatre essay told from multiple perspectives. Parallels are drawn with the tragedies in the Mediterranean and Syria.

Mare Nostrum” spans a large dramaturgical arc characterised by abrupt breaks. The audience is immersed in a stream of provocative and eclectic images, and in a flow of language that is equally poetic and aggressive. Even in moments of great despair there are touches of humour. From a wooden hut in which a singer hums a ballad, the audience is transported to the middle of the jungle where a woman tells how her mother was riddled with bullets during a massacre. The idea that fish can turn into humans evokes hallucinatory dream images.

This Mexican-Colombian production denounces the injustice and inhumanity of a capitalism that systematically causes many thousands of people to be uprooted and disappear. In a powerful final image, three bodies, surrounded by pieces of clothing that have long since lost their owners, drive through the floods into oblivion and infinite solitude.

Mare Nostrum” is about displacement and refugeeism from a Latin-American perspective. Laura Uribe analyses these phenomena as effects of economic inequality. It is indicative of Europe’s political interests that the gruesome situation in a country like Colombia barely plays a role in public perception.

 

Mit / With Marisol Álvarez, Tata Castañeda, Esteban M. Madrigal, Karla Garrido

Konzept, Dramaturgie, Regie / Concept, dramaturgy, director Laura Uribe Technischer Direktor / Technical director Tenzing Ortega Bühne und Licht / Scenography and lighting design Tenzing Ortega Kostüme / Costume design Ricardo Loyola Multimedia Design Edmundo Herrera und Hector Cruz Multimedia live performance Hector Cruz Ton / Sound design Edmundo Herrera und Anna Cristina Portillo Live Music Tata Castañeda Szenische Einrichtung / Scenic devices Laura Uribe Regieassistenz und Produktionsleitung / Director’s assistant and executive producer Sabina Aldana Dramaturgie / Dramaturgy Manuela Paniagua Dramaturgische Beratung / Dramaturgical advisor Noé Morales Künslterische Mitarbeit / Artistic collaboration Maria Sandoval und Noé Morales Produktion / Production Teatro UNAM, Universidad de Antioquia and Teatro en Código Company

Das Stück enthält Texte von / Featuring texts by  Laura Uribe, Marisol Álvarez, Tata Castañeda, Esteban M. Madrigal.
Mit Ausschnitten aus „Und die Fische zogen aus, um gegen die Menschheit zu kämpfen“ von Angélica Liddell. / Featuring fragments of the play “The fish came out to fight against men” by Angélica Liddell.

Die Münchner Aufführungen von „Mare Nostrum “ werden unterstützt vom Goethe-Institut.

 

 

 

 

Tags Flucht Migration, Postkolonialismus Transnationale Verflechtungen, Theater