Convakatary Konak

VON UND MIT GOD’S ENTERTAINMENT

IN DEUTSCHER, BOSNISCHER UND WEITEREN SPRACHEN / IN GERMAN, BOSNIAN AND OTHER LANGUAGES

„Niemand weiß, was es heißt, auf dieser Grenzscheide zweier Welten geboren zu werden und zu leben, die eine wie die andere Welt zu kennen und zu verstehen und doch nichts unternehmen zu können, dass sie sich verständen und einander näherkämen; was es heißt, die eine wie die andere zu lieben und zu hassen, so hin und her zu wanken und zu taumeln ein Leben lang, eine doppelte und doch keine Heimat zu haben, überall zu Hause zu sein und ewig ein Fremder zu bleiben.“ (Ivo Andrić, „Wesire und Konsuln“)

Wo genau liegt der Balkan? Die Künstler/innen des Wiener Performance-Kollektivs God’s Entertainment stellen fest: Niemand weiß es so ganz genau, aber alle haben eine Ahnung. Dieser Ahnung bauen sie ein fiktives Dorf, einen Ort, an dem Fremde willkommen sind: KONAK, was auf Türkisch so viel heißt wie „Residenz“ oder „Herberge“. Dort gibt es ein Kaffeehaus, ein Museum, einen Markt, ein Theater und eine lange Tafel, an der Platz ist für jede und jeden.

Architektonisches Vorbild ist die Stadt Travnik aus dem Roman „Wesire und Konsuln“ des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić. Dort wird der Balkan beschrieben als Zone des Dauerkonflikts zwischen Ost und West, in der sich nicht nur die Wege, sondern auch die Klingen von Orient und Okzident kreuzen. Sie ist ein brodelnder Begegnungsraum, in dem sich die Gewissheiten verlieren, die Identitäten in Bewegung geraten, wo der Gast zum Einwohner wird und umgekehrt.

Diesen Zwischenort, diese flirrende Randzone, nehmen God’s Entertainment zum Ausgangspunkt ihrer Recherche: Wie leben wir zusammen, wie entstehen kulturelle Zuordnungen und wie kann man die etablierten Verhältnisse über den Haufen werfen? Die Wiener Theatergruppe erschafft ganz präzise Atmosphären der Verunsicherung und des Befremdens und kreiert eine plausible Gegenwelt zu unserer migrantisch geprägten Lebensrealität, einen Raum der Vermittlung, Vermischung und Entgrenzung.

God’s Entertainment sagen über sich selbst, dass sie Lust haben, unbequem zu sein. Diese Lust können wir an diesem Abend miteinander teilen und darin ganz neue Möglichkeiten des Miteinanders finden. Denn der Rand ist überall. Auch in uns allen.


“Nobody knows, what it means to be born and to live at the boundary of two worlds, to know and understand one world and the other and yet not be able to do anything to get along and to make these worlds approach each other; what it means to love and hate the one and the other, to move back and forth and stagger for a lifetime, to have a double and yet no home, to be at home everywhere and to remain a stranger forever”. (Ivo Andrić, “The Days of the Consuls”)

Where exactly is the Balkans? The artists of the Viennese performance-collective God’s Entertainment realise: nobody knows for sure, but everyone has a clue. On behalf of this vague notion, they build a fictional village, a place where strangers are welcome: KONAK, which in Turkish means “residence” or “hostel”. A coffee house, a museum, a market, a theatre and a long table can be found, where there is room for everyone.

The architectural model is the city of Travnik from the novel “The Days of the Consuls” by Ivo Andrić, Nobel Laureate in literature. In the novel, the Balkans is depicted as a zone of permanent conflict between the East and the West, where not only the paths but also the blades of the Orient and the Occident cross. It is in fact the boiling point of troubles, where certainties are lost, identities are set in motion and where the guests become the residents and vice versa.

God’s Entertainment takes this intermediate place, this boundary zone as the starting point of their research: How do we live together, how do cultural classifications emerge and how can we throw the established relations overboard? The Viennese theatre group brings very precise atmospheres of uncertainty and alienation into being, and creates a plausible counter-world to the life-reality influenced by migration – a space of mediation, amalgamation and blurred borders.

Please bring warm clothes!


MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG DER / WITH THE FRIENDLY SUPPORT OF 
Kulturabteilung der Stadt Wien – MA7 / the Cultural Department of the City of Vienna- MA7 GEFÖRDERT VON / SUPPORTED BY Kulturbehörde Hamburg und Rudolf Augstein Stiftung / the Cultural Authority Hamburg and Rudolf Augstein Foundation Das Projekt wurde im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts gefördert. / The Project was supported by Szenenwechsel, a programme by the Robert Bosch Foundation and the International Theatre Institute. IN KOPRODUKTION MIT / IN COLLABORATION WITH Kampnagel Hamburg und WUK Wien / Kampnagel Hamburg and WUK Vienna

Tags Gender Diversity Transkultur, Postkolonialismus Transnationale Verflechtungen, Theater