Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)

VON RIMINI PROTOKOLL

Ergänzend zur Programmauswahl der Jury/ A contribution by the Münchner Kammerspiele, in addition to the programme selected by the jury

WAHLWEISE IN DEUTSCHER ODER ENGLISCHER SPRACHE / EITHER GERMAN OR ENGLISH

Der Berliner Flughafen, das italienische „Generationenprojekt“ A3, die Fußballstadien von Katar: Was erzählen Großbaustellen über unsere Gesellschaft? Was erzählen ihre verborgenen Choreografien verschobener Fertigstellung und Kostenkorrekturen, die komplexen Verflechtungen wirtschaftlicher und politischer Akteure, die undurchsichtigen Verbindungslinien in alle Welt? Warum bauen Staaten und für wen? Was geht vor: Partizipation oder Masterplan?

Nach „Top Secret International (Staat 1)“ über global agierende Geheimdienste, beschäftigen sich Rimini Protokoll im zweiten Teil ihrer Tetralogie über Phänomene der Postdemokratie mit der Großbaustelle als einem Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit. Das Publikum folgt sieben Expert/innen auf szenischen Baustellenführungen über die Simultanbühnen eines sich immer weiter auffächernden Raumes: Ein rumänischer Bauarbeiter nimmt die Zuschauer/innen mit zum Fliesenverlegen, um von Überstunden und Schwarzarbeit zu erzählen. Eine Anlageberaterin entwirft eine Kosten-Nutzen-Rechnung für Investitionen in „Betongold“. Ein Baurechtler führt Zuschauer/innen in den „Kampfsport Nachtragsforderungen“ ein. Der ehemalige Entrauchungsplaner des Berliner Flughafens BER rekonstruiert seine Baustelle, um sich selbst als Bauernopfer der Politik zu verstehen. Ein Anwalt wirft einen Blick hinter die Kulissen des größten Korruptionsfalles Nordrhein-Westfalens. Und ein Ökonom schaut von einer Schweizer Übersichtsterrasse in Singapur auf einen Masterplan für postfossiles Bauen. So entsteht ein räumliches Wimmelbild, an dem wiederum ein Ameisenforscher aufzeigt, wie ein Staat bauen könnte, dessen Bewohner/innen die Utopie der Partizipation nicht als Summe von Partikularinteressen verstehen.

 

The unfinished Berlin airport, the neverending A3 motorway project in Italy, the football stadiums in Qatar: delayed completions and cost adjustments, the complex interdependencies of private and public stakeholders, the invisible links throughout the world… What do mega-construction sites tell about our society? Why do states build and for whom? By participation or master plan?

In the second part of the tetralogy about post-democratic phenomena, Rimini Protokoll look at large construction sites as models for the current constitution of society. The audience follows seven experts on construction site tours across several simultaneous stages. A Romanian construction worker takes the audience with him to lay tiles and talk about overtime and illicit employment. An investment consultant draws up a cost-benefit analysis for investments in “concrete gold“. A lawyer introduces the audience to how to fight supplementary claims by subcontractors. The former smoke extraction engineer for Berlin’s BER airport reconstructs the ruins of his building site. A lawyer takes a look behind the scenes of the largest corruption case in North Rhine-Westphalia. An economist looks down on a master plan for post-fossil construction from a Swiss viewing platform in Singapore. And a biologist shows how ant colonies build more successfully than humans. Rimini Protokoll translate the interlaced network of international investors, construction consortiums and contractors, public interests and outsourced suppliers into a large, navigable spatial model.

MIT / WITH Sonja-Verena Breidenbach, Dieter Läpple, Alfredo Di Mauro, Jürgen Mintgens, Marius Ciprian Popescu, Andreas Riegel, Reiner Pospischil, Fang Tun Lo

KONZEPT, TEXT, REGIE / CONCEPT, TEXT, DIRECTOR Stefan Kaegi BÜHNENBILD / SET Dominic Huber VIDEO Mikko Gaestel MUSIK / MUSIC Fabian Schulz LICHT / LIGHTING Konstantin Sonneson DRAMATURGIE / DRAMATURGY Robert Koall THIRD EYE, DRAMATURGIE / DRAMATURGY STAAT 1 – 4 Imanuel Schipper RECHERCHE / RESEARCH Wilma Renfordt PROJEKTKOORDINATION / PROJECT COORDINATION Jessica Páez EINE PRODUKTION VON Rimini Protokoll und dem Düsseldorfer Schauspielhaus

„Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)“ ist Teil der Produktionsserie „Staat 1 – 4“, einer Kooperation zwischen Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich und Rimini Protokoll im Rahmen des HKW-Langzeitprojekts 100 Jahre Gegenwart. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. „Staat 1“ wurde vom Goethe Institut mitinitiiert und koproduziert. / “Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)” is part of the production series “Staat 1 – 4” (State 1 – 4), a cooperation between the Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich and Rimini Protokoll as part of the HKW long-term project “100 Jahre Gegenwart” (100 Years of the Present). Sponsored by the Department for Culture and Media of the German Government based on a resolution of the German Bundestag. “Staat 1” was co-initiated and co-produced by the Goethe Institute

 

 

Tags Besitz Reichtum Privilegien, Nachhaltigkeit Konsum Verschwendung, Theater