Paradise Now (1968 – 2018)

VON FABULEUS / MICHIEL VANDEVELDE

IN ENGLISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN UND ENGLISCHEN ÜBERTITELN / In English with German and English Surtitles

Eröffnung am 1. November um 19.30 Uhr

PUBLIKUMSGESPRÄCH am Freitag, 02. November 2018, 21 Uhr MIT Gary Brackett (Living Theatre), MODERATION Andrej Mirčev (visual artist / Dramaturg)

Genau 50 Jahre ist die Revolte von 1968 nun her. Wie viele Menschen beschäftigt sich der in Brüssel ansässige Choreograf Michiel Vandevelde mit der Frage, was von der damaligen Aufbruchstimmung übrig ist, welche Erfolge gefeiert werden können, wo ein Scheitern einzugestehen ist. Gemeinsam mit 13 Jugendlichen der bekannten belgischen Theatergruppe fABULEUS nimmt er „Paradise Now“ des Living Theatre zum Ausgangspunkt seiner Suche.

Dieses Stück, 1968 in Avignon uraufgeführt, steht wohl wie keine andere Performance für den Geist jener Zeit und für den Glauben, mit Kunst als „trojanischem Pferd“ die Gesellschaft erobern zu können. Geradezu folgerichtig löste sich das anarcho-pazifistische Kollektiv nach dieser Produktion wegen entgegengesetzter Politikvorstellungen und Lebensentwürfe auf.

„Paradise Now (1968 – 2018)“, Michiel Vandeveldes Auseinandersetzung mit der historischen Vorlage, spannt den inhaltlichen Bogen von damals bis in unsere Gegenwart: Im Zeitraffer werden ikonische Bilder aufgerufen, die sich innerhalb der letzten 50 Jahre ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Was hat die Träume von damals untergraben? Besitzen die alten Forderungen noch immer Relevanz oder müssen sie neu formuliert werden? Welche Perspektiven bieten sich uns heute?

In seiner Inszenierung folgt der Regisseur der Überzeugung, dass es möglich sein muss, an die Kämpfe und politischen Positionen von 1968 anzuknüpfen. Wenn unsere Fähigkeit, Zukunft zu denken, unsere „Futurability“, wie Franco ‚Bifo‘ Berardi das nennt, heute verschwunden ist, wie lässt sich dann die Gegenwart als der einzige zeitliche Ort, an dem eine Veränderung der Gesellschaft und unserer Lebensumstände herbeigeführt werden kann, für politische Interventionen zurückgewinnen? Es ist gewiss kein Zufall, dass dieser mitreißende Abend den Untertitel „An Appointment with Time“ trägt.

Die Jury war beeindruckt von der Ehrlichkeit, mit der die Jugendlichen ihre Lebenssituation beschreiben und ihrer Verzweiflung, aber auch ihrer Hoffnung Ausdruck geben, fernab von Floskeln und Stereotypen. Als sehr grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob oder inwieweit politisches Handeln – und damit politisches Theater – heute (noch) möglich ist, steht „Paradise Now (1968 – 2018)“ deswegen am Beginn des Festivals.

 

It’s been exactly fifty years since the protests of 1968 took place. The Brussels-based choreographer Michiel Vandevelde asks what remains of that era’s euphoric mood, what successes can be chalked up, and where we need to admit defeat. Together with thirteen young people from the well-known Belgian theatre group fABULEUS, he takes “Paradise Now” by The Living Theatre as the starting point for his investigation.

“Paradise Now”, first performed in Avignon in 1968, represents the spirit of ’68 arguably more than any other performance, and the belief that society can be conquered by the “Trojan horse” of art. Perhaps as a logical consequence, the group broke up after this production because of diverging political beliefs and ways of life.

„Paradise Now (1968 – 2018)“ is Michiel Vandevelde’s analysis of the historical model, which spans the years from earlier times to our present day: a time lapse of iconic pictures that have burned into our collective memory within the last 50 years is being invoked. What undermined the dreams from that time? Are those old demands still relevant or do they have to be reformulated? What prospects are there for us today?

Michiel Vandevelde is convinced that the struggles and political positions of 1968 are still valid nowadays, and that hope is the only missing element, i.e. our ability to visualise the future, or our “futurability” as Franco ‘Bifo’ Berardi calls it. So, according to its subheading “An Appointment with Time”, the show aims to take stock of the present.

The jury was impressed by the way in which young people describe their lives, their desperation and their hopes for the future in an honest, straightforward way, free of stereotypes. The reason “Paradise Now (1968 – 2018)” was chosen to kick off the festival is for its fundamental approach to the viability of political action – and thus political theatre – today.

 

Mit / With Zulaa Antheunis, Sarah Bekambo, Jarko Bosmans, Bavo Buys, Wara Chavarria, Judith Engelen, Abigail Gypens, Lore Mertens, Anton Rys, Margot Timmermans, Bo Van Meervenne, Esra Verboven, Aron Wouters

Choreografie / Choreography Michiel Vandevelde Kostüm / Costumes Lila & John Choreografieassistenz / Assistant choreographer Zoë Demoustier Dramaturgie / Dramaturgy Kristof van Baarle Technische Unterstützung / Technical support Bregt Janssens Produktionsleitung / Production manager Kathleen Vogelaers Koproduktion / Co-production fABULEUS, STUK In Kooperation mit den / In cooperation with The Sophiensælen Berlin

 

Tags Gender Diversity Transkultur, Religion Philosophie, Theater